Sanierung von Kopf bis Fuß
Die St.-Michaelis-Kirche bekommt doch goldene Turmbekrönungen
Der Kirchenvorstand der St. Michaelisgemeinde Hildesheim hat seinen Beschluss gegen vergoldete Turmhauben revidiert. Aufgrund vielfältiger Gespräche mit Gemeindegliedern und interessierten Mitbürgern ist der Kirchenvorstand zu einer neuen Einschätzung der Situation gekommen. Zudem sei der Zeitpunkt günstig, um die beiden Turmkreuze, den Wetterhahn und die Kugeln der Treppentürme ohne erhebliche Mehrkosten vergolden zu können, bevor die Gerüste um den Westturm der Kirche abgebaut werden.
„Manche mögen es jetzt gar nicht mehr verstehen, aber wir haben durch eine veränderte Sachlage auch unseren früheren Beschluss geändert“, wirbt Pastor Dirk Woltmann für die Kehrtwendung. Entscheidend sei gewesen, dass dem Kirchenvorstand durch viele Gespräche in den zurückliegenden Monaten verdeutlicht wurde, dass eine mögliche Vergoldung nicht auf die befürchtete Ablehnung stoßen werde. „Unsere Zurückhaltung betreffs der Symbolik, die vergoldete Turmspitzen mit sich bringen, wurde vielerorts nicht verstanden“, ergänzt Kirchenvorstandsmitglied Jens Kotlenga. Die Kirchengemeinde sei stattdessen froh, dass sie aufgrund vieler Gespräche ihre Entscheidung überdenken konnte, was man nun getan habe.
Zudem habe sich eine neue Situation hinsichtlich der anonymen Spende ergeben. Denn mittlerweile konnte Pastor Woltmann mit dem Spender persönlich sprechen. Dies sei wichtig gewesen, so Woltmann, um Spendengelder und ihre Verwendung transparent zu halten. Bei gänzlich anonymen aber zweckgebundenen Spenden könne die Gefahr bestehen, ungewollt in unlösbare Interessenkonflikte zu geraten.
Die Spende zur Renovierung der Turmhauben und zur Vergoldung der Bekrönungen wurde dem Kirchenvorstand durch den Freundeskreis für den Erhalt des Weltkulturerbes St. Michael e. V. vermittelt. Die Ablehnung der Spende sei aber niemals gegen den Freundeskreis gerichtet gewesen, betonen die Verantwortlichen. Vielmehr sei die Kirchengemeinde auf die tatkräftige Zuarbeit des Freundeskreises angewiesen. Insgesamt hat der Freundeskreis bislang rund 500.000 Euro zur Sanierung der Weltkulturerbekirche beigesteuert. Allein die Finanzierung des Sandstein-Fußbodens und der Bestuhlung gehen auf Aktivitäten des Freundeskreises zurück. Weitere Projekte stehen schon auf der Warteliste, wie zum Beispiel eine witterungsbeständige Kupferbedachung und die endgültige Finanzierung der Außenbeleuchtung.
Der Kirchenvorstand der Michaelisgemeinde freue sich selbstverständlich über jede kleine oder große Spende, um die Sanierung ihrer romanischen Kirche zum Abschluss bringen zu können, betont Dirk Woltmann. Dass dies insgesamt ein anspruchsvolles und komplexes Vorhaben sei, das vieler einzelner und wohl überlegter Entscheidungen bedürfe, habe nicht zuletzt dieser kleine Umweg gezeigt. „Die Diskussion, die wir ausgelöst haben, hat ihren eigenen Wert, der bleibt", meint Woltmann. In der heutigen Zeit dürfe man solche Entscheidungen nicht einfach durchwinken.
Der Beschluss gegen eine Vergoldung der Turmhauben war im Juni 2010 gefasst worden. Nach mehr als zehn Monaten an Gesprächen und Beratungen revidierte der Kirchenvorstand seine Auffassung im Mai diesen Jahres.